Ennepe-Ruhr-Wupper

Christian Felber im Ruhrgebiet

Dortmund, 04.03.2020
     
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Das Bild zeigt die Fish-bowl-Runde, die nach dem Vortrag von Christian Felber für rege Diskussionen sorgte. Im Bild von links: Johannes Auge (Moderator), Christian Felber (GWÖ-Vortragender), Leonie Schmitz (Geschäftsführerin der Vollkornbäckerei Niemand, ein ERW-zertifiziertes GWÖ-Unternehmen), Thomas Lesser (Geschäftsführer Green IT Das Systemhaus), Maximilian Begovic (Referent für Nachhaltigkeit der BKK ProVita) (Foto: Joachim von Hein)

Der Gründer der Gemeinwohl-Ökonomie aus Wien referierte im Dortmunder Rathaus

Die 100 Plätze im Westfalia Saal im Dortmunder Rathaus waren am 4. März restlos ausgebucht, als Christian Felber, der Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie, eine Dreiviertelstunde lang über diese Alternative zur Marktwirtschaft mit anschließender intensiver Gruppendiskussion referierte. Zuvor hatten Thomas Westphal, der Leiter der Wirtschaftsförderung im Dortmunder Rathaus, und Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Dortmund, in ihren Grußworten ihre Sympathie für die Gemeinwohl-Ökonomie bekundet.
 
In seinem Einleitungsreferat führte Christian Felber aus, dass etwa 88% der Deutschen sich nach einer Alternative zur gegenwärtigen Marktwirtschaft sehnen, in der es mehr gesellschaftliche Solidarität, mehr Rücksicht und mehr ökologische Verantwortung gibt. Nicht mehr das Bruttoinlandsprodukt und der finanzielle Gewinn sollen das zentrale Kriterium der Wirtschaftsanalyse sein, sondern vielmehr das Gemeinwohl der Menschen. Bisher gibt es etwa 600 Unternehmen, die über ihre finanzielle Bilanz hinaus auch eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt haben. Auch vier Kommunen in Deutschland haben das GWÖ-Konzept bereits genutzt und eine kommunale GWÖ-Bilanz erstellt. Derzeit befinden sich drei Kommunen in NRW in diesem Prozess.
 
Auch in den Wirtschaftswissenschaften gibt es erste Seminare, die das Thema Gemeinwohl-Ökonomie aufgreifen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass es trotz Wirtschaftswachstum und steigendem Bruttoinlandsprodukt den Menschen in einer Marktwirtschaft immer schlechter geht. Etwa dreiviertel der Deutschen sagen, dass sie angesichts einer ungewissen Zukunft nicht mehr ruhig schlafen könnten.
 
"In der Gemeinwohl-Ökonomie sollen ganzheitlich und verantwortungsbewusst agierende Unternehmen belohnt werden", forderte Christian Felber. Dazu gehöre auch, das Auseinanderklaffen zwischen den reichsten und den ärmsten Mitgliedern der Gesellschaft zu korrigieren. Genauso sollten große Konzerne nicht mehr ins Unermessliche wachsen dürfen, sondern auf eine kontrollierbare Größe beschränkt werden. Nur dann könne der Wettbewerb wieder funktionieren.
 
Christian Felber nannte drei erfolgreiche Unternehmen, die bereits jetzt nach diesen Prinzipien arbeiten: die märkische Landbäckerei, die Sparda-Bank München und die Betriebskrankenkasse ProVita.
 
Nicht zuletzt diese funktionierenden Beispiele hätten den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss überzeugt, mit 86% Zustimmung die Grundsätze der Gemeinwohl-Ökonomie gutzuheißen.
 
Anschließend wurde in fünf Untergruppen mit thematischen Schwerpunkten die Gemeinwohl-Ökonomie in der Praxis besprochen. Es ist geplant, dieses Diskussionsforum am 5. Mai 2020, auch wieder im Dortmunder Rathaus, fortzusetzen.
 

(Autor: Joachim von Hein)