Ennepe-Ruhr-Wupper

Planspiel Schokoladenfabrik: Zwei Projekttage mit Jugendlichen der Oberstufe 11 der Gesamtschule Hagen Haspe (29. und 30.01.2020)

Hagen, 30.01.2020
     
GWÖ Index.JPGBeispielhafter Gemeinwohl-Index im Planspiel (Bild: Josef Quanz)

 

Eine Schokoladenfirma betreiben – wie läuft das?

Eine Schokoladenfirma gründen und managen. Vierzehn Jugendliche der 11. Klasse der Oberstufe der Gesamtschule Haspe wollen zwei Tage  innerhalb einer Projektwoche Schokoladenfabrikant*innen sein. Das Ziel der Firmenphilosophie ist nicht vorgegeben, der Spielplan schon, und nach einer kurzen Einführung kann gewirtschaftet und gespielt werden.

Erste Spielrunde

Schnell haben die Jugendlichen die Spielregeln verinnerlicht und managen die Qualitätsstandards, Preis- und Mengengestaltung ihrer Produkte. In den Kategorien

  • Ökologische Zutaten
  • Strombezug
  • Fairer Handel (Lieferketten)
  • Löhne (Mitarbeiter*innen)
  • Arbeitsplatzqualität
  • Menge und
  • Kosten

können sie zwischen Mindest- und Maximalstandards (0-4) wählen. Dementsprechend entwickeln sich die Kosten für die Schokoladen. Eine Software (EXCEL-Tabelle) berechnet die verkaufte Menge und das aktuelle Vermögen. Es werden sechs Spielrunden gespielt.

Alle Teams sind vor der jeweiligen Auswertung sehr gespannt, wie sie mit ihrem geplanten Produkt am Markt bestehen können. Nach der sechsten Runde ist ein Zwischenstopp.

Evaluation

Das Vorgehen in den sechs Runden wird ausgewertet – fast alle Teams arbeiten nach dem Gewinnprinzip. Sie sind stolz auf ihre Gewinne und die verkauften Mengen. Ein Team hat schon erstaunlich viele Gemeinwohl-orientierte Ziele verwirklicht, ein anderes sehr hohen Gewinn erzielt – ganz so wie in der Realität. Sie erkennen auch, dass sie wenig auf faires Wirtschaften in fast allen Kategorien geachtet haben.

Hintergründe

In einer Inputphase werden die Folgen des heutigen Wirtschaftens (s.o. Kategorien) am Beispiel der Schokoladenherstellung vorgestellt und untersucht.

Die Ziele der Gemeinwohl-Ökonomie werden dargestellt und deren mögliche Auswirkung auf die Schokoladenproduktion erläutert. Gemeinwohl-schädigendes Verhalten wird zukünftig mit erhöhten Steuern belegt. Wer nach GWÖ-Kriterien arbeitet wird mit weniger Steuern belastet.

Zweite Spielrunde

Nun wird wieder vier Runden gespielt und auf die spannende Auswertung gewartet. Erstaunlich sicher und überlegt arbeiten die Jugendlichen in den nächsten Phasen an ihren Konzepten und Profilen. Alle vier Teams entwicklen sich in Richtung der GWÖ.

Auswertung

Alle Teams haben sich gut geschlagen. Die Schüler*innen sind mit sich als Unternehmer*innen zufrieden und haben den Eindruck in dem Planspiel etwas nachgespielt zu haben, was ihnen einen guten Einblick in gewinnorientiertes oder Gemeinwohl-orientiertes Wirtschaften gibt. Sie fühlen sich als Unternehmer*innen auch in deren Verantwortung.

Firmenvorstellung

Dirk Drögekamp aus Wetter (Ruhr) stellt sein nach GWÖ-Kriterien zertifiziertes sozialengagiertes Unternehmen vor. Dabei wird deutlich, dass nicht alle Bereiche der GWÖ umgesetzt werden müssen/können. Auch Probleme der Zertifizierung, der Mitarbeiterbeteiligung und -motivation u.v.m. werden erörtert, was einen sehr realen und lebhaften Einblick in ein mittelständiges Unternehmen gibt.

Schülermeinungen:

  1. „Mir hat das Spiel sehr gut gefallen, dadurch konnte ich einen guten Einblick in das Wirtschaften einer Firma bekommen.“
  2. „... besonders die zwei Spielrunden haben mir gefallen, wo wir uns in der ersten Runde ausprobieren konnten und in der zweiten auf das Gemeinwohl achten konnten.“
  3. „ Das Spiel mit der Schokoladenfabrik hat mir am besten gefallen; und dass wir Schokolade zum Probieren bekommen haben.“
  4. „Die kurzen Filme und das Thema Gemeinwohl-Ökonomie haben mir sehr gut gefallen.“
  5. „So habe ich auch vieles über die Schokoladen- und Kakaoherstellung erfahren.“

Materialien, Hinweise und Filme

...finden sich auf der Homepage: https://web.ecogood.org/de/ak-bildung/

 

(Autoren und Teamer: Josef Quanz & Rolf Weber)