GWÖ Regionalgruppe Freiburg

BZ Leserbrief

Badische Zeitung, 08.06.2020
     
corona-frau-mädchen-perspektiveBild von Gerd Altmann auf Pixabay (https://pixabay.com/de/illustrations/corona-frau-m%C3%A4dchen-perspektive-5199344/)

Am 8. Juni erschien der untere Artikel in abgespeckter Form als Lesebrief in der Badischen Zeitung.

Wie kann es nach Corona weitergehen?

Die Probleme der „Vor-Corona-Zeit“ sind nicht gelöst. Sie sind nur aus dem Blick geraten und werden verschärft durch die Wirtschaftskrise, die uns nach Corona erwartet.

Die vielen Milliarden, die Bundesregierung und EU verteilen, werden nicht ausreichen um alle Verluste auszugleichen.

Die bisherige Wirtschaftsweise hat uns die Klimakrise, die Finanzkrise und weltweite Ungerechtigkeit beschert.

Corona wird vorbei gehen, aber die Zukunft der Welt steht auf dem Spiel!

Wir brauchen zukunftsfähige Lösungen, sonst gibt es globale Auseinandersetzungen. Das wird nicht nur uns, sondern alle zukünftige Generationen belasten.
Wir erinnern uns: die Weltwirtschaftskrise 1929 hat am Ende Hitler an die
Macht gebracht...

Bisher schien es nicht möglich, dass Menschen sich ändern und bereit sind
zu teilen. Seit Corona erleben wir viel Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Wir müssen Wirtschaft neu denken. Ideen dazu gibt es bereits genug, z.B. bei der Gemeinwohl-Ökonomie:

  1. Zuschüsse und Kredite müssen an Bedingungen geknüpft werden. Z.B. umweltbelastende und unfaire Produktions- und Handelsverfahren mit hohen Abgaben bzw. Strafen belegen -einschließlich der Landwirtschaft.
  2. Internationale Handelsbeziehungen müssen auf Fairness und Menschenwürde geprüft und neu ausgerichtet werden.
  3.  Derzeit werden die fossilen Brennstoffe noch immer mit vielen Milliarden gefördert! Dieses Geld sollte in erneuerbare Energien umgeleitet werden.
  4. Das bedingungslose Grundeinkommen für alle.
  5. Die Finanzwirtschaft muss reguliert werden. D.h. Steueroasen schließen, Finanztransaktionssteuer und Vermögenssteuer einführen.
  6. Der Einfluss von Firmen und Banken auf die Politik muss begrenzt werden.

Was gewinnen wir durch eine Veränderung?

  • Wir haben gesehen welche Branchen tatsächlich systemrelevant sind: Kranken- und Altenpflege, Kinderbetreuung . Jetzt ist die Zeit, diese aufzuwerten und besser zu bezahlen.
  • Mehr Zufriedenheit und Zusammenhalt in der Gesellschaft, weniger Radikalisierung - wenn Einkommensunterschiede sinken durch gerechtere Tarifstrukturen und Steuern.
  • Vielleicht hören wir tatsächlich auf, „Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen“ - in den letzten Wochen haben wir viel weniger konsumiert. Vielleicht war das sogar eine Entlastung?!
  • Vielleicht arbeiten wir weniger. Dann haben wir mehr Zeit für Familie und Kontakte.
  • Fluchtursachen entfallen, wenn die internationalen Handelsbeziehungen so verändert werden, dass „ärmere Länder“ die Chance haben, stabile Wirtschaftsstrukturen aufzubauen.
  • Im Lockdown hat sich das Tempo des Lebens verringert – vielleicht war das auch eine gute Erfahrung?!
  • Schon nach wenigen Wochen ist die Luft merklich besser geworden. Vielleicht schaffen wir das 1,5-Grad-Ziel doch noch?
  • Die Flüge sind um 95% zurück gegangen. Das Klima atmet auf. Hat uns wirklich etwas gefehlt, weil wir die Wochenenden in der Region verbracht haben?
  • Der weltweite Bezug von medizinischen Produkten hat uns gezeigt wie abhängig wir sind in Krisen. Vielleicht beurteilen wir Produktionsprozesse in Zukunft nicht mehr ausschließlich nach Maximalprofit, sondern nach der Wirkung aufs Gemeinwohl?

Man kann sich heute vieles vorstellen, was vor wenigen Wochen noch undenkbar war. Lasst uns loslegen!

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“. (Victor Hugo)

Inge Bücheler, Gemeinwohl-Ökonomie Regionalgruppe Freiburg