Gemeinden

dorfplatz kirchanschoering (c) isabella klien.JPGDorfplatz Kirchanschöring - Copyright Isabella Klien

Gemeinden und Regionen in der Gemeinwohl-Ökonomie

Die Gemeinden sind die bürgernächste Ebene, auf der die Bedürfnisse und das Potential von Unternehmen, Organisationen, Vereinen, Schulen, Familien und Einzelpersonen konkret zusammenfließen. Gleichzeitig sind die Gemeinden eng mit den übergeordneten Gebietskörperschaften verflochten. Als Träger*innen der kommunalen Selbstverwaltung sind die Gemeinden per se dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie müssen Belange von Mensch, Umwelt, Natur, Politik und Wirtschaft berücksichtigen. Dabei sind sie mit ihrer Verwaltung und ihren Eigenbetrieben einerseits selbst wirtschaftliche Akteur*innen. Andererseits wirken sie an der Ausgestaltung von Regeln und Gesetzen für das Gemeinwesen mit.
Im Rahmen eines Bilanzierungsprozesses der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) wird sowohl die „ethische Performance“ der eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten der Kommune analysiert und sichtbar gemacht, als auch die Nutzung von Handlungsspielräumen zur Schaffung gemeinwohlfördernder Rahmenbedingungen bewertet.

Wie wird eine Gemeinde zur Gemeinwohl-Gemeinde?

In der aktiven Auseinandersetzung einer Gemeinde mit der GWÖ wird die Gemeinde zur Gemeinwohlgemeinde.
Als Hilfestellung dazu wurde das neue Arbeitsbuch für Gemeinden V2.0 so konzipiert, dass großen Wert auf den Prozess gelegt wird.
Dieser Prozess kann unterschiedlich gestaltet werden: „Nur“ im Rathaus mit den Mitarbeiter*innen, mit den politischen Mandatasträger*innen oder auch mit der Bevölkerung. Vor Beginn des Prozesses soll dies gut mit der GWÖ-Berater*on geklärt und dabei die Vor- und Nachteile der jeweiligen Form diskutiert werden.

Aktuelle Arbeitsunterlagen für die Erstellung einer Bilanz sind:
Arbeitsbuch Gemeinden V2

Matrix Gemeinden

Was kann die Gemeinde tun?

Die Gemeinde als Vorbild
Die Gemeinde kann als Vorbild für Unternehmen, Vereine und sonstige Institutionen fungieren, indem sie sich zu den Werten der GWÖ bekennt und die eigene Verwaltung und/oder die wirtschaftlichen Betriebe im Gemeindebesitz bzw. mit Gemeindebeteiligung (z.B. Stadtwerke) nach der GWÖ bilanziert. Damit dokumentiert die Gemeinde, dass sie den Erfolg ihres Verwaltungshandelns nicht primär an finanziellen, sondern ebenso an sozialen und ökologischen Kennziffern misst. Sie übernimmt eine Vorreiterrolle für alle übrigen, vor allem privatwirtschaftlichen, Betriebe vor Ort.

Weitere Möglichkeiten zur Verankerung der GWÖ
Ein politisches Gemeinwesen kann nur effektiv funktionieren, wenn es Klarheit über seine Ziele und Ausrichtung hat. Das Bruttoninlandsprodukt als bislang gängiges Ziel der (Wirtschafts-)Politik hat aufgrund seiner Eindimensionalität und der Nichterfassung dessen, was ein gutes Leben für alle ausmacht, ausgedient. Alternativen wie der „Better Life Index“ der OECD, die Sustainable Development Goals (SDG) der UNO oder das „Bruttonationalglück“ im Zwergstaat Bhutan sind bereits entstanden.

Üblicherweise werden die Rahmenbedingungen in der Kommune von  Fachleuten in der Kommunalverwaltung ausgearbeitet und vom zuständigen politischen Gremium verabschiedet. Dies trifft besonders auf Satzungen und Vergabeprinzipien zu. Zur Einbindung der Bürger*innen als Souverän in die Definition dieser Rahmenbedingungen regt die GWÖ einen „Konvent“ an. In einem partizipativen Prozess könnten die Bürger*innen der GWÖ-Gemeinde z.B. die 20 wichtigsten Bestandteile von „einem guten Leben für alle“ definieren und in einem messbaren Index abbilden. Der daraus entstehende „Kommunale Gemeinwohl-Index“ könnte als Kompass für die Ausrichtung der kommunalpolitischen Ziele und die Bewertung kommunaler Maßnahmen dienen. Eine Methodik für einen messbaren GWÖ-Index ist bereits in Entwicklung.

Zusammenschluss zu einer „Gemeinwohl-Region“
Innerhalb eines Landkreises, Bezirks oder Viertels können sich Gemeinden das Ziel setzen, sich zu einer „Gemeinwohl-Region“ zusammenzuschließen um die GWÖ-Ziele, welche nicht lokal umgesetzt werden können, auf regionaler Ebene zu verwirklichen.
Eine GWÖ-Region kann – zusammen mit GWÖ-Gemeinden – das jeweilige Bundesland auffordern, zu einem „Gemeinwohl-Land“ zu werden.

Wo gibt es schon Gemeinwohl-Gemeinden?
Aus der Pionierphase von 2013 stammen erste GWÖ-Berichte von Kommunen. Die Gemeinden Laas, Latsch, Mals und Schlanders aus dem Vinschgau/Südtirol haben 2013 den ersten Schritt in Richtung GWÖ-Gemeinde gemacht.
Die beiden Gemeinden Nenzing und Mäder aus Vorarlberg in Österreich und Kirchanschöring in Südbayern haben als erste eine GWÖ-Bilanz nach der neuen Matrix 1.2 erstellt. Alle drei Gemeinden  wurden  extern auditiert. Mäder hat bereits eine Re-Auditierung durchgeführt.
In Deutschland gab es den ersten politischen Beschluss zur GWÖ in der Gemeinde Wielenbach (Bayern). Der Gemeinderatsbeschluss wurde einstimmig getroffen. Zudem haben Klixbüll (Schleswig-Holstein), Breklum (Schleswig-Holstein), Bordelum (Schleswig-Holstein) und in Italien die Gemeinde Calceranica den Bilanzierungsprozess 2017 bzw. 2018 begonnen.

Mitgliedsbeitrag für Gemeinden
Der jährliche Mitgliedsbeitrag der Gemeinden honoriert die GWÖ-Bewegung für die Erstellung des Handbuchs und der Matrix und unterstützt die Weiterentwicklung.
Die Einwohnerzahl der Gemeinden zum Stand der letzten offiziellen Erhebung wird auf 100 gerundet und in der Tabelle interpoliert. Anstelle des Mitgliedsbeitrages kann eine Gemeinde eine Spende in gleicher Höhe entrichten.

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